American Wedding

In Sioux Falls erleben wir zum ersten Mal eine amerikanische Hochzeit mit. Man soll ja nicht vergleichen…wir machen’s aber trotzdem, wohlwissend, dass diese Hochzeit hier im wilden Westen nicht stellvertretend fuer alle in den USA ist.

In der Kirche gibt’s wenig Gesang und keine Orgel. Begleitet wird in diesem Fall von einem Pianisten. Die aus Filmen bekannte Frage, ob jemand was gegen diese Ehe hat, wird nicht gestellt. Allerdings wird die Braut vom Vater nach vorne gefuehrt und der Vater wird gefragt, ob er hier die Tochter zur Heirat freigibt. Gluecklicherweise sagt er „ja“ — hey, wir sind ja schliesslich 900 Meilen gefahren.

An der Seite stehen je vier Trauzeugen und vier Trauzeuginnen. Diese haben jedoch keinen aktiven Part in der Zeremonie. Wir wurden uebrigens von einem Einweiser (Usher) zur Bank gebracht. Dieser stellt sicher, dass wir als Bekannte der Braut auch auf der richtigen Seite sitzen. Die Zeremonie ist recht kurz, geschaetzte 25 bis 30 Minuten.

In der Kirche: gleich geht's los.

In der Kirche: gleich geht’s los.

Die ist aber lang. Das Brautpaar wird von der Kirche abgeholt.

Die ist aber lang. Das Brautpaar wird vom Fahrer von der Kirche abgeholt.

Zwischen Kirche und der Feier macht das „Programm“ fuer etwa eine Stunde Pause.

Auf der Feier sitzen die Gaeste an runden Tischen beisammen, ein DJ macht im Hintergrund schon mal Musik. Dann wird’s sehr amerikanisch: die Familenangehoerigen und Trauzeugen / Trauzeuginnen laufen ein und werden beklatscht und bejubelt. Das Brautpaar laeuft zuletzt ein und bekommt standing ovations. Die Reden sind sehr kurz: obwohl Pfarrer, Trauzeugen, Eltern und das Brautpaar reden, kommt es einem nicht lang vor. Eine herzzereissende Rede wie im Hugh-Grant Film kommt aber nicht. Nach einer kleinen Mahlzeit und dem Anschneiden der Torte geht das Tanzen los. Und das war’s auch schon mit Programm. Keine Spiele, keine Diashows. Wir erfahren, dass eine amerikanische Hochzeit bereits um 10 Uhr abends endet – diese hier geht aber bis zwoelf. Oh, wow.

Der Gast neben uns sagt uns, dass wir jetzt noch ein paar Getraenke von der Bar holen sollen. „Warum?“ – „Weil man selber zahlen muss, sobald das Tanzen los geht“. Gut, dann reihen wir eben Getraenke an unserem Tisch auf, das geht ja auch.

Die ersten drei Taenze gehoeren der Familie: Braut mit Brautigam, Braut mit Vater, Braeutigam mit Mutter. Alle drei Songs sind Country-Lieder, die man mit dem Ohr nur schwer voneinander unterscheiden kann. Jeder Titel wird einzeln vom DJ angekuendigt. Als der Titel fuer die Kombination „Braut und Vater“ angekuendigt wird, kann Vera sich nicht beherrschen und muss lauthals loslachen. Der Titel heisst „I loved her first“. Man schaut zu uns herueber, aber schmeisst uns nicht raus.

Zwei Gruppentaenze duerfen auf einer amerikanischen Hochzeit nicht fehlen: der Chickendance, den wir als Ententanz aus dem Kindergarten kennen und „Macarena“. Das mit dem Ententanz faellt schwer zu glauben und um so ueberraschender ist es, als alle auf der Tanzflaeche unsere Erinnerungen an Grundschule und Fasching wieder auffrischen.

Die Playlist des DJs ist etwas anders als in Deutschland. Hier gibt’s den amerikanischen Schlager, naemlich Country. Auch viel Hip-Hop und Soul ist mit dabei. Und natuerlich Lieder fuer das Linedancing, in dem der Text die Bewegung vorgibt, die alle dann mitmachen muessen (z.B. „slide to the right“, „reverse“, etc.).

Zwei Lieder hauen mich (Thorsten) dann echt um. Anscheinend hat’s die Fetenhits Sozialhilfe ueber den grossen Teich geschafft, denn wir hoeren Hey Baby von DJ Oetzi. Ich frage das Maedel aus New York neben mir, ob sie bemerke, dass der Saenger kein Muttersprachler ist. Tut sie nicht. Die zweite Ueberraschung ist Cotton Eye Joe von den Rednex, zu dem wir in Reihen aufgestellt vor und zurueck gehen. Jetzt hat der wilde Westen uns voll im Griff – schade, dass Vera ihren Cowboyhut nicht mitgenommen hat.

Allgemein muss man von einer echten Tanzwut sprechen. Hier werden komplette Musikvideos nachgetanzt. Egal ob zu Montell Jordan oder John Travolta, 10 Sekunden nach Titelbeginn sind alle in Position und perfekt synchron. Es entstehen auch die aus Filmen bekannten grossen Ringe, in denen jeder Taenzer dann zeigt, was er kann. Das ist sehr beeindruckend.

Gegen halb zwoelf werden die ersten Asiaten rausgetragen – Boston Lager laesst gruessen. Wir sind gespannt, ob um Mitternacht wirklich Schluss und es ist tatsaechlich so. Alle binden die Esel los und reiten gemuetlich ins Hotel. Es war eine interessante Erfahrung, ueberraschend und witzig. Danke South Dakota.

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Über hehnblog

Vera und Thorsten Hehn gehen fuer 18 Monate in die USA. Hier erzaehlen wir von unseren Erlebnissen.
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4 Antworten zu American Wedding

  1. Kiki schreibt:

    Hugh Grant ist ja schließlich Brite! Ansonsten habe ich das aber bis auf die Country Music genau so erlebt :D. Richtig schlimm fand ich nur den Junggesellinenabschied. Nachdem das die letzte Gelegenheit zum über-die-Stränge-schlagen ist, ging das Niveau schneller in den Keller, als der Alkoholspiegel dank der Tequilashots stieg…

    • hehnblog schreibt:

      Wirklich, der ist Brite? Da muss ich beim Studieren der People wieder nicht aufgepasst haben. 😉

      Einen Junggesellen / Junggesellinnenabschied haben wir noch nicht miterlebt. Vera hat dazu ueber die Uni gute Chancen…. Mal sehen.

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