TV-Duell Merkel gegen Steinbrueck

Vera hat Briefwahlunterlagen beantragt um ihrer Buergerpflicht auch im Ausland nachzukommen. Dank ZDF-Mediathek laesst sich das grosse TV-Duell nach amerikanischem Vorbild auch von hier verfolgen. Nachdem wir im letzten Herbst das amerikanische Original erlebt haben (Obama gegen Romney) sind wir gespannt wie der Verlauf in Deutschland ist. Insgesamt sind wir schwer enttaeuscht – und zwar in erster Linie von den Moderatoren.

Zum direkten Vergleich zwischen dem amerikanischen und deutschen Format faellt vor allem auf:

  • In den USA herrscht soviel Interesse an der Sendung, dass es Publikumsgaeste gibt, die den Kanditaten auch ernstgemeinte, kluge Fragen stellen duerfen. In Deutschland hingegen will man durch die Ausstrahlung auf vier Sendern „schichtenuebergreifend“ ca 15 Millionen Zuschauer erreichen, die sich offenbar nicht auf einem Sendekanal treffen koennen.
  • Daher sind im deutschen Fernsehen vier Moderatoren noetig: Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Stefan Raab (Pro Sieben). Statt Quantitaet setzt man in den USA auf Qualitaet mit einem kompetenten Moderator.

Dabei enttaeuschen die Moderatorinnen der oeffentlich-rechtlichen Sender, die eigene Polit-Talkshows haben, genauso wie der Entertainer Stefan Raab (der nun in der Berichtserstattung als „Sieger des TV-Duells“ und – ebenso seltsam – als Journalist bezeichnet wird). Am sympathischsten wirkt Peter Kloeppel – wahrscheinlich weil er nicht besonders viel sagt.

Im Umgang zwischen Moderatoren und Politikern faellt uns vor allem auf, dass der amerikanische Moderator Jim Lehrer den Kandidaten echten Respekt entgegenbringt. Er stellt Obama und Romney abwechselnd diesselbe Frage und laesst sie innerhalb ihrer Redezeit sogar ausreden. Ganz anders die deutschen Kollegen: sie buegeln ihren Text einfach ueber die Antworten der Politiker drueber, die ebenso unbeirrt weiterreden, bis einer von beiden aufgibt. Mehrfach weisen sie sowohl Steinbrueck als auch Merkel darauf hin, dass Steinbrueck nicht genug zu Wort kommt – und richten die naechsten Fragen prompt wieder direkt an Merkel. Die beiden Damen grinsen haeufig sueffisant und das Quartett versucht nahezu geschlossen den Politikern platte Statements in den Mund zu legen, die es hinterher zur Bildschlagzeile schaffen wuerden:

„Snowden – guter Mann! Oder?“

„Verdienen Politiker genug?“

„Frau Merkel, tut Ihnen Herr Steinbrueck eigentlich Leid?“

Steinbrueck soll sich auf einen festen Strompreis pro Kilowattstunde festlegen – auch nachdem er erklaert hat, dass er mit seiner Politik lediglich die Preissteigerung zu vermindern oder zu verhindern hofft. Weiterhin wollen die Moderatoren ihn dazu noetigen vor laufenden Kameras den Vorwurf an Merkel zu wiederholfen, sie habe im Zuge der NSA-Affaere ihren Amtseid  verletzt.

Maybrit Illner kommentiert Steinbruecks Antwort auf ihre Eroffnungsfrage mit: „Damit ist die Latte gesetzt – leere Phrasen auf unsere Fragen.“ Ich hatte eher den Eindruck, die Moderatoren waren gar nicht sonderlich an inhaltlichen Antworten interessiert.

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Über hehnblog

Vera und Thorsten Hehn gehen fuer 18 Monate in die USA. Hier erzaehlen wir von unseren Erlebnissen.
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